Drachen sind eigenartige Wesen. Autoren manchmal auch. Wenn sich beide zusammen tun, kommt etwas heraus wie „Der Drache regt sich“ von Herrn Weinert.

Der Drache ist der größte Feind des Menschen. Zum Glück schläft er seit Menschengedenken. Aber schon wenn er sich im Schlaf regt, der böse Drache, kommt großes Unheil über das Land. Um diesem Übel zu steuern, gibt es den Drachentöter. Doch der bleibt lieber auf seinem Thron sitzen, frisst und vögelt. Statt selbst in die Schlacht zu ziehen, rekrutiert er aus der halb verhungerten Bevölkerung ein Heer, das in den Krieg gegen den Drachen und den sicheren Tod ausgesandt wird.
Solch ein Vorgehen kann die Berliner Studentin Golde, Hobby-Menschenrechtlerin, die sie nun einmal ist, nicht tolerieren und beschließt, etwas gegen den despotischen, ausbeuterischen Drachentöter zu unternehmen.
So weit, so gut. Mehr Informationen gibt es auf der Verlagsseite.
Vor allem aber versteht sich Der Drache regt sich als sehr verrücktes, humorvolles Buch. Den einzigen echten Lacher gibt es auf den ersten paar Seiten.
Es ist ein Peniswitz.
Muss man noch mehr sagen?
Haha. Haha. Schreibt der Rezensent von Media-Mania.de
Wer wissen will, was die „Subkultur“ darüber denkt: Hier meint ein Rezensent:
Die Rückseite des Buchs rät: Finger weg! Mit Freuden!
Welche Kultur der Rezensent von Buchwurm vertritt mit seinem Urteil vertritt, ist dagegen schwer zu sagen. Haute? Supra? After?
Weinert verknüpft nicht nur phantastische Elemente mit Sarkasmus und scharfer Kritik an der einen oder anderen Einrichtung unserer Informationsgesellschaft, sondern zieht konsequent die Facetten und Phrasen des Fantasygenres durch den Kakao. Alle müssen dran glauben: Black-Metal-Fans, potente Drachtöter, die sich Sexsklavinnen halten, Live-Rollenspieler, Handy-Zombies, abgestumpfte TV-Jünger und J. R. R. Tolkien.
„Der Drache regt sich“ bereichert Boris Kochs Edition Medusenblut enorm, weil das Buch phantastische Literatur ist, die sich nicht auf kitschige Stereotype stürzt, sondern dabei hilft, Phantastik wieder als ernst zu nehmende Literaturform begreifen zu können.
Womöglich wohlbegründete Verwirrung herrscht bei diesem Rezensenten,
Auf dem Backcover steht, das wäre „Fantasy zum Abgewöhnen“. Na, das stimmt auf alle Fälle. Anders als „richtige“ Fantasy lädt dieses Buch nicht zu Flucht aus der Realität ein, bietet keine Identifikationsfiguren. Eindimensional ist es auch nicht, eher konfus.
während auch hier der Rat ebenfalls ein wenig lose sitzt:
Vorliegendes Buch ist ein wenig anders, na gut, vergessen Sie das „ein wenig“ und ersetzten es durch „sehr verstörend“, durch „unbegreiflich anders“.
Was dem einen Verwirrung beschert, erfreut des andern Lesers Herz. So amüsiert sich Franz Rottensteiner offenbar über das Werk, wie hier nachzulesen:
ein Buch für Leser, die ihre Fantasy nicht tierisch ernst nehmen und auch eine Verulkung der Form (und sonstige Respektlosigkeiten) nicht unverzeihlich finden.
Bei so viel Meinung bleibt der Frau Administratorin nur noch der fromme Wunsch:
Möge sich auch euer Drache ewig regen!